Einen Hühnerauslauf winterfest zu machen heißt, drei Dinge gleichzeitig zu lösen: eine Überdachung, die Schnee trägt und Wildvögel fernhält, seitliche Wände aus engmaschigem Geflecht gegen Marder und Greifvögel, sowie eine dicht geschlossene Unterkante gegen Ratten und Fuchs. Der richtige Zeitpunkt dafür ist jetzt – solange der Boden noch grabfähig ist und die Vogelzugsaison erst beginnt.
Warum der Herbst der Stichtag ist
Ab Ende September laufen gleich mehrere Entwicklungen zusammen. Der Herbstzug der Wasservögel bringt jedes Jahr ein erhöhtes Risiko für die Geflügelpest mit sich, besonders entlang der großen Zugkorridore – Neusiedler See, March-Thaya-Auen, Donauniederungen. Die Behörden weisen in solchen Phasen Risikogebiete aus und ordnen dort eine Stallpflicht oder zumindest die Pflicht zur überdachten Fütterung an. Wer erst reagiert, wenn die Verordnung im Amtsblatt steht, baut unter Zeitdruck.
Parallel dazu ändert sich das Verhalten der Beutegreifer. Marder suchen ab Oktober trockene Quartiere und prüfen Ställe systematisch auf Schwachstellen. Füchse ziehen näher an Siedlungen. Ratten wandern von abgeernteten Feldern in Richtung Futterlager – und ein Hühnerstall mit offenem Futtertrog ist für sie das ganze Paket aus Wärme, Deckung und Nahrung.
Dazu der bautechnische Grund: Pfostenlöcher lassen sich im feuchten Herbstboden leichter ausheben als im trockenen Hochsommer, und Beton braucht frostfreie Bedingungen. In Lagen über rund 800 Metern – große Teile Tirols, Salzburgs, Kärntens und der Obersteiermark – schließt sich dieses Fenster oft schon im November.
Die Überdachung: Netz oder festes Dach
Eine Überdachung erfüllt im Winter zwei Funktionen: Sie unterbindet den direkten Kontakt zu Wildvögeln und deren Kot, und sie hält den Auslauf trocken. Ein ständig durchnässter, vereister Boden ist die Hauptursache für Fußballenprobleme.
Die entscheidende Frage lautet: Trägt die Konstruktion Schnee? Feinmaschige Volierennetze sind dafür nicht gemacht. Sie fangen Nassschnee ab, hängen durch und reißen entweder selbst oder ziehen die Randpfosten nach innen. Wer mit Netz arbeitet, hat zwei Möglichkeiten:
- Straff mit Gefälle spannen. Ein Gefälle von mindestens 20 bis 30 % lässt Schnee abrutschen, solange das Netz wirklich straff sitzt. Ein Mittelfirst oder ein First aus einem durchlaufenden Rohr hilft erheblich.
- Vor dem ersten Schneefall abnehmen. In schneereichen Lagen die ehrlichere Lösung: Netz im Spätherbst abnehmen, den Auslauf über Winter kleiner und dafür fest überdacht führen.
Für den dauerhaft genutzten Winterauslauf ist ein festes Pultdach die bessere Investition. Ein kleiner, überdachter und windgeschützter Bereich direkt am Stall wird im Winter deutlich intensiver genutzt als eine große offene Fläche. Wichtig ist die Neigung – Flachdächer mit Trapezblech unter 10 % Gefälle sammeln in Ostösterreich zuverlässig Nassschnee.
Wo Netze oder Schattiergewebe an Rohrrahmen fixiert werden, sind Kabelbinder die schlechtere Wahl. Clips für Sichtschutznetz verteilen die Last besser und schneiden nicht ins Gewebe – bei Kabelbindern reißt im Frühjahr regelmäßig die Randkante aus, weil der Kunststoff durch die UV-Belastung des ganzen Jahres und die Winterkälte spröde wird.
Die Seitenwände: Maschenweite entscheidet
Der häufigste Planungsfehler im Kleintierbereich ist zu grobes Geflecht. Ein Marder quetscht sich durch eine Öffnung, durch die sein Kopf passt – das sind wenige Zentimeter. Ein normales Gartengeflecht mit 50 mm Masche hält ihn nicht ansatzweise auf, und für Küken ist es ohnehin durchlässig.
| Bereich | Empfohlene Maschenweite | Material | Begründung |
|---|---|---|---|
| Stallfenster, Kükenbereich | 19 × 19 mm | Geschweißtes Zuchtgitter | Marder- und mäusesicher, formstabil |
| Auslauf-Seitenwände ab rund 1 m Höhe | 19 × 19 bis 25 mm | Zuchtgitter oder Sechseckgeflecht | Kompromiss aus Schutz und Kosten |
| Untere 60 cm rundum (unterste Lage) | 6 × 6 mm | Nagerschutzgeflecht verzinkt | Hält Ratten und Mäuse draußen, setzt die Schürze fort |
| Zone von 60 cm bis rund 1 m (zweite Lage) | 19 × 19 mm | Geschweißtes Zuchtgitter | Marderzone – punktverschweißt, nicht aufbiegbar |
| Eingegrabene Schürze | 6 × 6 bis 13 × 13 mm | Verzinkt, kein PVC-Mantel | Erdkontakt – Verzinkung entscheidet |
| Überdachung | Netz oder festes Dach | je nach Schneelage | Wildvogelkontakt unterbinden |
Für die Seitenwände hat sich ein gestufter Aufbau bewährt, der zwei verschiedene Gefahren nacheinander abdeckt. Ganz unten, auf den ersten 60 cm über dem Boden, liegt das engmaschige Nagerschutzgeflecht verzinkt mit 6 × 6 mm Masche gegen Ratten und Mäuse – es ist die direkte Fortsetzung der eingegrabenen Schürze und läuft ohne Unterbrechung aus dem Boden nach oben. Direkt darüber, bis auf etwa einen Meter Höhe, folgt als zweite Lage ein geschweißtes Zuchtgitter verzinkt mit 19 × 19 mm Masche: Es ist punktverschweißt, lässt sich nicht aufbiegen und deckt genau die Zone ab, an der ein Marder ansetzt. Beide Lagen überlappen dabei um rund zehn Zentimeter. Für die Hauptfläche darüber genügt ein Sechseckgeflecht ZN+PVC – leichter, günstiger und um Ecken und Rundungen sauber zu führen.
Ein praktischer Hinweis zur Verarbeitung: Bahnen niemals stumpf aneinanderstoßen lassen. Zehn Zentimeter Überlappung, alle 15 bis 20 cm mit Bindedraht ZN+PVC gebunden. Eine Naht, die nur an drei Punkten hält, ist für einen Marder ein Türspalt.
Die Oberkante nicht vergessen
Bei nicht überdachten Ausläufen ist die Oberkante die klassische Schwachstelle. Marder klettern souverän, Füchse springen höher, als die meisten Halter annehmen. Ohne Dach braucht es eine nach außen gerichtete Abkantung oder einen Überstand – ein schlicht senkrecht endendes Geflecht ist keine Barriere.
Untergrabschutz: der Punkt, an dem es meistens scheitert
Fuchs und Ratte kommen nicht über den Zaun, sondern darunter durch. Zwei bewährte Varianten:
- Senkrechte Schürze. Geflecht 30 bis 40 cm tief eingegraben, Graben in zwei Lagen verdichtet verfüllt. Unauffällig, aber bei lockerem Boden manchmal zu wenig.
- L-Schürze nach außen. 20 cm senkrecht, dann 20 bis 30 cm waagrecht nach außen umgelegt und flach überdeckt. Das Tier setzt direkt an der Wand an, stößt auf das waagrecht liegende Geflecht und gibt in der Regel auf. Auf steinigen Böden die praktikablere Lösung.
Für die unteren 60 cm und die Schürze eignet sich dasselbe Nagerschutzgeflecht mit 6 × 6 mm Masche. Eine Rolle mit 1000 mm Höhe lässt sich dafür sinnvoll aufteilen: 40 cm in den Boden, 60 cm sichtbar am Zaun hoch, dort überlappend mit dem darüberliegenden Zuchtgitter verbunden.
Wichtig: Im Erdreich gehört verzinkter, nicht kunststoffummantelter Draht. Jede Beschädigung des PVC-Mantels beim Verfüllen wird zur Korrosionsstelle, weil Feuchtigkeit unter der Hülle steht.
Pfosten, Aussteifung und Schneedruck
Ein Auslauf mit Netz oder Dach ist statisch etwas anderes als ein offener Zaun. Sobald oben eine Fläche liegt, ziehen Wind und Schnee die Randpfosten nach innen. Drei Punkte dazu:
- Eckpfosten und alle Pfosten am Ende einer Zaunlinie gehören abgestrebt. Eine Strebe von 38 mm Durchmesser in der Zugrichtung verhindert das langsame Einwandern der Ecke über den Winter.
- Pfostenabstände beim überdachten Teil enger wählen als bei offenem Zaun – jeder zusätzliche Pfosten ist billiger als eine durchhängende Dachfläche.
- Leichte Gartenpfosten von rund 20 mm Durchmesser sind für Beetabgrenzungen und temporäre Trennwände innerhalb des Auslaufs gut geeignet, tragen aber keine Dachlast. Für tragende Ecken gehört ein kräftigeres Rohrprofil in ein Betonfundament.
Boden, Futter und Wasser im Winter
Der Auslaufboden entscheidet über die Tiergesundheit. Sobald die Fläche vereist oder dauerhaft matschig ist, wird sie gemieden. Grobe Hackschnitzel, Rindenmulch oder Sand im überdachten Bereich halten die Fläche trocken und lassen sich im Frühjahr abziehen.
Futter gehört im Winter grundsätzlich unter Dach – das ist bei behördlich angeordneten Maßnahmen ohnehin Vorschrift und hält gleichzeitig Wildvögel und Ratten fern. Offene Futtertröge im Freien sind die häufigste Einladung an den gesamten Nagerbestand der Umgebung. Wasser besser in mehreren kleinen Gefäßen anbieten als in einem großen, das durchfriert.
Rechtliches in Österreich
Wer Geflügel hält – auch nur ein paar Hühner im Garten – muss den Bestand melden. Die Haltung ist innerhalb von sieben Tagen ab Aufnahme bei der Veterinärabteilung der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde zu melden; erfasst wird der Bestand im Verbrauchergesundheitsinformationssystem (VIS). Das gilt unabhängig von der Bestandsgröße und ist die Voraussetzung dafür, dass Halter im Seuchenfall überhaupt informiert werden.
Ob und wo eine Stallpflicht gilt, entscheidet das Gesundheitsministerium anhand der aktuellen Risikolage per Verordnung; die konkreten Gebiete und Fristen werden kundgemacht. Die Details für den eigenen Bezirk klärt der Amtstierarzt. Für den Bau selbst gilt: Ein einfacher, offener Auslauf ist in der Regel unproblematisch, ein festes Dach kann je nach Bundesland und Größe anzeige- oder bewilligungspflichtig sein. Ein Anruf bei der Baubehörde der Gemeinde kostet fünf Minuten.
Checkliste vor dem ersten Frost
- Überdachung geprüft: trägt sie Schnee, oder wird das Netz vorher abgenommen?
- Alle Nähte und Überlappungen mit Bindedraht nachgebunden
- Unterkante rundum geschlossen, Schürze verdichtet verfüllt
- Eckpfosten abgestrebt, Fundamente auf Wackeln geprüft
- Futterstelle überdacht, Lagerbehälter nagersicher verschlossen
- Klappe und Türen: schließen sie dicht, oder bleibt ein marderfähiger Spalt?
- Bestand im VIS gemeldet, Kontakt zum Amtstierarzt bekannt
FAQ
Welche Maschenweite hält einen Marder wirklich auf?
Im gefährdeten Bereich – Stallfenster, Klappen, untere Wandzone – sollten es 19 × 19 mm punktgeschweißtes Gitter sein. Entscheidend ist neben der Masche die Drahtstärke und vor allem die Befestigung: ein Marder arbeitet an der Naht, nicht an der Fläche.
Muss der Auslauf komplett überdacht werden?
Solange keine behördliche Anordnung besteht, nicht zwingend. Sinnvoll ist ein kleiner, fest überdachter Winterauslauf direkt am Stall plus die Möglichkeit, bei Bedarf schnell aufzurüsten. Große Netzdächer über der gesamten Fläche sind in schneereichen Lagen mehr Problem als Lösung.
Ist es im Herbst nicht zu spät zum Eingraben?
Nein, solange der Boden frostfrei und grabfähig ist – jetzt geht er sogar leichter als im trockenen Sommer. Erst bei durchgefrorenem Untergrund ist es besser zu warten, weil sich der Graben nicht mehr sauber verdichten lässt.
Verzinkt oder kunststoffbeschichtet?
Über dem Boden ist beschichtetes Geflecht optisch angenehmer und im Randbereich langlebig. Im Erdkontakt gehört verzinkter Draht ohne Mantel verbaut, weil beschädigte Beschichtung Feuchtigkeit einschließt.
Wie hoch muss der Auslaufzaun sein, wenn oben kein Dach ist?
Ohne Überdachung sind 180 cm mit nach außen abgekantetem Abschluss ein sinnvoller Richtwert gegen Fuchs. Gegen Marder und Greifvögel ist eine offene Fläche allerdings nie vollständig sicher – wer beides ausschließen will, kommt um ein Dach nicht herum.
Ein winterfester Auslauf entsteht nicht aus einem teuren Bauteil, sondern aus konsequenten Details: dichte Unterkante, saubere Nähte, abgestrebte Ecken und eine Überdachung, die zur Schneelage passt. Wer das jetzt im Herbst erledigt, solange der Boden noch grabfähig ist, muss im Jänner weder bei Frost nachbessern noch improvisieren, wenn eine Stallpflicht kommt.